Woher kommen wir?

 

Ursprung

Ende 14. Jahrhundert taucht in den Urkunden und Ratsbüchern der Stadt Bern die Körperschaft der handelstreibenden Bürger auf, die sich Krämergesellschaft nannte, aber neben Krämern und Spezereihändlern auch Tuchhändler, Tuchscherer, Glaser und Schneider, also nicht ausschliesslich Handelsleute umfasste. Die Grenzen zwischen den einzelnen Handwerksgesellschaften waren noch fliessend. Erst später wurde darauf bestanden, dass sich jede Handwerksgattung in einer eigenen Gesellschaft zusammenschloss. Deshalb mussten 1460 die Schneider und Tuchscherer zur Mohren-Zunft übertreten.

Die Krämergesellschaft war somit nicht eine exklusive Vereinigung von Handelsleuten. Der Bezug zum Handel bestand vor allem darin, dass sie das Recht besass, zu Stadt und Land die Handels- und Marktpolizei auszuüben.

 

 

Das Privileg der Handels- und Marktpolizei

Den Stubengenossen wurde vom Staat die Aufsicht über den Handel und die Märkte übertragen. Sie wachten über die Dauer der Märkte und mussten verhindern, dass fremde Krämer und Hausierer sich ohne Konzession an Märkten beteiligten. Sie hatten das Recht, Strafen auszusprechen und Bussen zu verteilen – die offenbar zu einem grossen Teil in die Gesellschaftskasse flossen. Als einzige im deutschsprachigen Teil der  Republik Bern durften die Kaufleute eine Gewürzpulverstampfe betreiben, ein obrigkeitliches Lehen, für das sie zwar einen Zins zu entrichten hatte, das aber offenbar trotzdem ein recht lukratives Geschäft war.

Sie hatte zudem die Aufsicht über die Waage und die Aufgabe, auf den Märkten Mass und Gewicht zu prüfen oder – wie man damals sagte – zu fecken. Die Original-Massstäbe, die zur Kontrolle der abgemessenen Längen dienten, sind heute in der Zytgloggenlaube ausgestellt.

1798 fiel mit dem aristokratischen Bern auch das Privileg der Markt- und Handelspolizei.

 

Hänseler

Zur Erfüllung der Marktaufsicht ernannte die Gesellschaft aus ihrer Mitte Markt- und Handelsaufseher, die Hänseler. Diese zünftischen Beamten waren bis 1798 stets voll beschäftigt, denn ständig versuchten fremde Hausierer, darunter viele Hugenotten, die Hänseler zu umgehen und wider die strengen Vorschriften konzessionslos Handel zu treiben.

 

Was bedeutet Hänseler?

Hanse oder Hänse (von althochdeutsch Hansa = Gruppe, Gefolge, Schar) nannten sich Kaufmannsverbünde in Nordeuropa, denen einzelne Händler beitraten. Oft waren solche Verbünde auf einen bestimmten Jahrmarkt ausgerichtet und übernahmen während dessen Dauer wirtschaftliche Kontrollfunktionen. Der Hänseler war also ein Art Gewerbepolizist und nicht, wie in der heutigen Umgangssprache, jemand, der andere auf üble Weise verspottet und sich über die Fehler, Schwächen oder gar Behinderungen von jemanden lustig macht

Zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und Mitte des 17. Jahrhunderts bildeten niederdeutsche Kaufleute Vereinigungen, deren Ziel es war, die Sicherheit ihrer Schiffstransporte zu gewährleisten und ihre gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen besonders im Ausland zu vertreten. Aus diesen Kaufmannshansen entstand die Städtehanse, in der beinahe 300 See- und Binnenstädte im nördlichen Europa zusammengeschlossen waren. Viele ehemalige Hanse-Städte sind heute beliebte touristische Attraktionen im Norden Europas.